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Konzeption

 

Die vorliegende Konzeption ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung über die Inhalte und Ziele der pädagogischen Arbeit im Kindergarten Haus Regenbogen und deren anthropologische und gesellschaftliche Hintergründe; sie erfasst auch das institutionelle und organisatorische Bedingungsgefüge, wie es sich aus den Ideen der Kindergarteninitiative seit deren Gründung im Jahre 1987 entwickelt hat und sich auf die jetzige und zukünftige Arbeit auswirkt. Die Konzeption diente den an der Erarbeitung beteiligten Eltern und ErzieherInnen zur Reflexion und Klärung der genannten Schwerpunkte und soll weiterhin richtungweisend sein für alle, die für das Haus Regenbogen tätig sein werden (Vorstand, pädagogische MitarbeiterInnen, PraktikantInnen u.a.). Den Eltern kann sie einen Einstieg in die Grundlagen, Prinzipien und Ziele der Arbeit im Kindergarten Haus Regenbogen sowie einen Einblick in dessen Entstehung und Organisationsstruktur bieten.

In der hier erarbeiteten Konzeption werden zum einen menschenkundliche Grundlagen und pädagogische Prinzipien dargelegt, die allgemeine Gültigkeit besitzen; zum anderen werden Rahmenbedingungen beschrieben, die aus dem Zusammenwirken pädagogischer Vorstellungen, gesellschaftlicher Bedingungen und finanzieller Möglichkeiten entwickelt wurden und somit einem stärkeren Wandel unterliegen. Daraus resultiert, dass durch eine weitere Entwicklung des Kindergartens eine Fortschreibung der Konzeption auf den bewährten Grundlagen notwendig werden kann

 
Thesen zum Ziel der Erziehung 

Wir wollen unsere Kinder zum Selbstbewusstsein und zur Selbstfindung hinführen, sie gegen Abhängigkeit und leichte Manipulierbarkeit ausrüsten, damit sie, einmal auf sich gestellt, aus der eigenen Persönlichkeitsstruktur heraus denken, urteilen und handeln können (Helmut von Kügelen).

Wir wollen unseren Kindern einen Erfahrungsraum für tragfähige menschliche Beziehungen eröffnen, sie zur Wahrnehmung des anderen Menschen, zu sozialem Verhalten und zur Verantwortlichkeit in unserer Gesellschaft befähigen.

Wünschenswert wäre es, wenn in die soziale Gemeinschaft behinderte Kinder in selbstverständlicher Weise miteinbezogen werden. Behinderte und nicht behinderte Kinder könnten auf ihrem jeweils eigenen Entwicklungsniveau somit gemeinsam spielen, lernen und arbeiten.

Darüber hinaus wollen wir den Kindern verschiedenen Alters die Möglichkeit geben, ihre individuellen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln und ebenso Fähigkeiten und Bedürfnisse anderer Menschen zu erkennen und zu achten.

 

Menschenbild und pädagogische Prinzipien

Unsere pädagogischen Prinzipien basieren auf den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, die Rudolf Steiner der Waldorfpädagogik zugrunde gelegt hat. Diese betrachtet den Menschen als geistig–seelisch–leibliches Wesen, das nach seiner „physischen Geburt“ in seiner Entwicklung von Jahrsiebt zu Jahrsiebt durch Lebensphasen geht, in denen sich verschiedene Bereiche seiner Persönlichkeit ausprägen und der Mensch so zur Mündigkeit (Ichgeburt) geführt wird. In den aufeinander folgenden Entwicklungsphasen werden unterschiedliche pädagogische Prinzipien bei dem Kind wirksam, je nachdem, welches Wesensglied sich in dieser Zeit beim Kind in seiner individuellen Weise ausprägen soll.

Bis zum Zahnwechsel im 7. Lebensjahr muss das Kind seine physischen Organe ausformen, die bei der Geburt zwar vorhanden, aber nicht in ihrer vollen Funktionsfähigkeit entwickelt sind. In den späteren Phasen findet nur noch Wachstum statt auf der Grundlage all jener Strukturen und Formen, die sich im ersten Jahrsiebt ausgebildet haben.

Diese Entwicklung vollzieht sich an den Bezugspersonen in der Familie und im Kindergarten, in einer „sozialen Mutterhülle“. In dieser Zeit wirken besonders die Anregung der Phantasie und der Kreativität  sowie die seelische Anteilnahme durch das Wort des Erwachsenen bildend auf die Formen des Gehirns und auf die innere Regsamkeit der Organe. Dagegen macht gedächtnismäßige intellektuelle Beanspruchung die Kinder müde und blass und zieht ihnen all jene Lebenskräfte ab, die jetzt noch ganz der leiblichen Gesundheit und der Entfaltung des Willens dienen sollen. Der Entwicklungsepoche des physischen Leibes wird das Prinzip von Vorbild und Nachahmung zugeordnet.

 

Das Prinzip von Vorbild und Nachahmung

Den Kindern soll die Gelegenheit zu vertrauenswürdiger Nachahmung gegeben werden. Da sich das Kind im ersten Lebensjahrsiebt alles Nachahmungsfähige einverleibt, lange bevor es zu entscheiden vermag, ob das Nachahmungsfähige auch nachahmenswert ist, trägt der Erwachsene die Verantwortung, durch sein Verhalten und die Gestaltung der Umgebung gesundend zu wirken. Er muss dem Kind die Entscheidungen abnehmen, bis die eigene Reife soweit gediehen ist, dass es dazu selbst in der Lage ist.

Wenn sinnvolle und überschaubare Tätigkeiten vom Kind erlebt, nachgeahmt und verstanden werden können, werden Intelligenz und Verstehen im Zusammenhang von Erleben und Tun gefördert (zum Beispiel durch gemeinsames Essen vorbereiten, Spielsachen herstellen, Feste vorbereiten usw.).

Über das Märchenerzählen und das darstellende Spiel nehmen die Kinder eine differenzierte und kultivierte Sprache auf. Im Zusammenhang von Bewegung und Gebärde werden durch die Sprache Erleben und differenziertes Ausdrucksvermögen als Grundlage der schulischen Lernbereitschaft ausgebildet. Aber auch das Denken selbst wird durch das Märchenerzählen gefördert, denn in den Märchen erscheinen die Gedanken in Bilderform, die der lebendigen und beweglichen Phantasie angemessen sind.

Durch das Vorbild des Erziehers nimmt das Kind moralische Qualitäten in sein Erleben und Tun auf – so verbindet es sich mit Moralischem, ohne dass dieses als Regel und Vorschrift von außen beengend wirkt. Auch der Umgang der Erwachsenen untereinander und ihre Art und Weise, Konflikte zu lösen, ist für die Kinder „Vorbild“.

Das Wesen des nachahmenden Lernens ist das unreflektiert willentliche Ausgestalten dessen, was das Kind in seiner Umgebung erlebt. Analogiebildung, symbolische Nachahmung und geistige Nachahmung müssen den Kindern ermöglicht werden. Dabei geht es um die Ermöglichung differenzierter Nachahmungswelten. Da die Nachahmungsfähigkeit auch von der Eigenart und Individualität jedes Kindes abhängig ist, ist es für manche Kinder wichtig, dass die ErzieherIn die Nachahmungswelt gestaltet (eventuell mit Hilfe  strukturierten Materials, wie etwa eines Holzpuzzles).

 

Das Prinzip von Rhythmus und Wiederholung

Indem das Kind in rhythmischer Wiederholung die Feste des Jahreskreislaufs singend, spielend, im Reigen und in der Raumgestaltung vorbereitet, an allem mitwirkt und feiert, werden in diesem freudigen Tun Begriffe, Worte und gesundende Elemente der Lebensgestaltung in ihm veranlagt.  Darüber hinaus wird bei den Jahresfesten etwas gefeiert, das vielen Menschen gemeinsam ist, etwas das über das Persönliche hinausreicht. Die Kinder brauchen die wiederkehrenden Bräuche auch für die Pflege ihres Gedächtnisvermögens und ihres Willens, sie geben ihnen Halt und innere Sicherheit – sie helfen gleichsam das jedem Kinde eigene innere Geländer zu errichten.

Im Kindergarten Haus Regenbogen können zahlreiche Feste und Feiern begangen werden, zum Beispiel Advent, Nikolaus, Weihnachten, Drei Könige, Fasching, Ostern, Pfingsten, Johanni, Michaeli, Laternenfest, Geburtstage, Sommerfest sowie der Tag der offenen Tür.

Durch die Einfachheit des Spielmaterials wird die innere Aktivität im Vorstellen und im Tun angeregt, z.B. durch Holzklötze, Rinden, Zapfen, Kastanien, Tücher, Ständer, selbstgemachte Stoff- oder Filzpuppen und -tiere. Die Puppe nimmt innerhalb des Spielmaterials eine Sonderstellung ein. Sie ist das Bild des Menschen und damit für jeden sich heranentwickelnden Menschen dasjenige Spielzeug, das – gerade, wenn es nicht völlig ausgestaltet und nicht von einer seriellen Herstellerabsicht geformt ist - am meisten das eigene Gestaltwerden in der Phantasie des Kindes herausfordert und belebt.

Durch das künstlerische Tun (Aquarellmalen, Wachskneten oder Tonen, Werken, Handarbeiten, Eurythmie, Singen, Musizieren, Reigenspiele), aber auch durch gemeinsames Backen und ausgedehnte Spaziergänge wird das Kind in seinen Erlebnis- und Gestaltungsmöglichkeiten gefordert. Ein wöchentlich gleichbleibender Grundrahmen sollte je nach den personellen Gegebenheiten möglichst stetig durchgehalten werden, um mit den Kindern rhythmische Einheiten leben zu können.

Im freien Spiel schließlich lernt das Kind im Zusammenwirken mit anderen Kindern all das individuell auszugestalten, was es an Fähigkeiten erworben hat.


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